Ailanthus glandulosa - Der Götterbaum aus dem Reich der Mitte

Er wächst so schnell wie Unkraut und ist fast ebenso widerstandsfähig; hat er erst einmal Wurzeln geschlagen, ist er kaum zu bremsen. Der Götterbaum hat nicht nur in unseren Parkanlagen einen Stammplatz erobert, sondern ist auch eine feste Größe in der Homöopathie.

Die vom Volksmund Chinesischer Götterbaum genannte Pflanze gehört zur Familie der Simaroubaceae. Häufiger als der Name Ailanthus glandulosa ist in der Fachliteratur die Bezeichnung Ailanthus altissima (MILLER) SWINGL zu finden. Die Bezeichnung Ailanthus stammt von "Ailanto", d. h. Baum des Himmels, wie der Baum auf den Molukken genannt wird; glandulosa bedeuted "drüsig".

Botanik

Der stattliche Baum erreicht eine Höhe von bis zu 27 Metern und wächst außerordentlich schnell. Die Jahrestriebe können eine Länge von bis zu 3 Metern erreichen. Der ursprünglich aus China stammende Baum hat eine glatte, hell längsgestreifte Borke und fein behaarte, gelb- oder rotbraune Zweige. Die unpaarig gefiederten, mit Drüsenzähnen versehenen Laubblätter werden bis zu einen Meter lang. Die Blüten stehen in großen, reich verzweigten Rispen. Die männlichen Blüten besitzen einen eigenartigen unangenehmen, von manchen auch als holunderähnlich beschriebenen Geruch. Blütezeit ist Juni bis Juli.

Der Götterbaum gedeiht am besten auf tiefgründigem, lockerem Untergrund, ist aber auch mit trockenem, sandigem oder felsigem Boden zufrieden. Er liebt sonnige Standorte und verträt Hitze und Trockenheit sehr gut. Verbreitet ist der Götterbaum vor allen Dingen in den Subtropen Asiens, aber auch in Europa wird er vielfach angepflanzt. In Nordamerika wurde er vollständig eingebürgert. In Europa ist er beliebt als Anpflanzung in Parks und Gärten.

Der Götterbaum produziert in Rinde und Blättern einen Giftstoff, der in der Lage ist, das Wachstum anderer Pflanzen zu blockieren. Aktuelle Studien prüfen die Eignung dieses Wirkstoffes als natürliches Herbizid.

Geschichte

Im Jahr 1751 tauchte Ailanthus glandulosa bzw. Ailanthus altissima erstmals in Europa auf, nach Amerika wurde er erst 1784 exportiert. Vermutlich befanden sich Götterbaumsamen im Reisegepäck chinesischer Immigranten, die den Baum für medizinische Zwecke nutzten.

Das recht harte, doch biegsame Holz des Stammes wurde in China sehr oft als Werk- und Bauholz verwendet. Es eignet sich auch zur Papierherstellung. Rinde und Laubblätter dienen als Bandwurmmittel oder zur Verfälschung von Sennes- und Belladonnablättern.

Wirkung

Die Rinde des Götterbaums enthält als vorwiegend wirksame Bestandteile einen Bitterstoff Ailanthin 0,005 %, Saponin, Gerbstoff und Phlobaphene, die Blätter enthalten Quercetin und die Knospen das Enzym Diastase, die Blüten ätherisches Öl.

Ailanthusrinde wirkt in großen Dosen drastisch purgierend und ruft Übelkeit, Vertigo, Schwäche, kalten Schweiß, heftigen Kopfschmerz, Rückenschmerzen, Taubheit und Kribbeln in den Gliedern hervor. Bei Tieren lähmt die Rinde des Götterbaums das Gehirn und das Rückenmark. Die Herztätigkeit wird zunächst beschleunigt und dann verlangsamt, der Puls wird schwach, die Atmung vermindert und schließlich tritt der Tod durch Atemlähmung ein.

Anwendung

In Amerika schätzt man die Götterbaumrinde als gutes Taenifugium, verordnet sie aber auch bei bösartigem Scharlach mit dunklen Eruptionen, Gefühllosigkeit, Delirien und bei Heufieber.

In der Homöopathie wurde Ailanthus hauptsächlich bei bösartigen Infektionskrankheiten wie Diphterie, Scharlach, Typhus, Cholera und Ruhr und bei septischen Erscheinungen verwendet.

Nach Gerhard Madaus (Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Leipzig 1938, S. 454) ist Ailanthus glandulosa indiziert bei Infektionskrankheiten, besonders wenn diese einen schleichenden, malignen Verlauf nehmen und von sehr starker Erschöpfung begleitet sind. Als Einzelindikationen werden angeführt: Scharlach, Masern, Diphtherie, Typhus mit drohendem Kollaps und Dysenterie. Das Mittel wurde aufgrund seiner günstigen Wirkung bei septisch bedingten Erscheinungen sogar bei Blutvergiftungen verwendet. Ferner hat es sich bei Luftröhrenverschleimung und Erysipel bewährt. Als Wechselmittel werden gerne Echinacea und Baptisia verordnet. Die in der amerikanischen Medizin übliche Verwendung von Ailanthus glandulosa gegen Bandwürmer ist in Deutschland nicht gebräuchlich.

Verwendet werden die frischen blühenden Triebe und die frische Rinde.