Cardiospermum halicacabum (L.) – Die Ballonrebe: Herzige Samen heilen die Haut
Forschungsreisende berichteten von den "Seifennüssen", mit denen die Einwohner Asiens und Afrikas Körper und Kleidung wuschen. Als die Seifenbaumgewächse in Westeuropa heimisch wurden, tat sich besonders die Gattung Cardiospermum halicacabum L. in der heilkundlichen Anwendung hervor. Heute gilt sie als hervorragendes homöopathisches Therapeutikum bei Entzündungen der Haut und kann in vielen Fällen sogar Kortikoidgaben ersetzen.
Die vom Volksmund Chinesischer Götterbaum genannte Pflanze gehört zur Familie der Simaroubaceae. Häufiger als der Name Ailanthus glandulosa ist in der Fachliteratur die Bezeichnung Ailanthus altissima (MILLER) SWINGL zu finden. Die Bezeichnung Ailanthus stammt von "Ailanto", d. h. Baum des Himmels, wie der Baum auf den Molukken genannt wird; glandulosa bedeuted "drüsig".
Historisches
Schon zur Renaissancezeit wurden einige wenige Gattungen aus der Familie der Sapindaceae, der Seifenbaumgewächse, als Ziergewächse gehalten. Cardiospermum halicacabum L., die Ballonrebe, war eine von ihnen und wurde unter dem Namen Pisum cordatum (= Herzerbse) in Schlesien kultiviert. Die Seifenbaumgewächse verdanken ihren Weg nach Europa jedoch nicht nur ihrem Aussehen, sondern auch der Beschaffenheit ihrer Früchte: Wegen des hohen Saponingehalts war ihr fettes Öl in der Seifenherstellung überaus begehrt.
Um 1780 wurde in Ostindien und Amerika vom Seifenbaum (Sapindus saponaria) berichtet, dessen Früchte man dort "zum Reinemachen der Hände, Wäsche, silbernen Borde und dergleichen statt Seife braucht". Eine weitere Quelle bestätigte, daß "bei den Indianern" die zerquetschten Seifennüsse besser als Seife reinigen sollten – daneben fanden ihre schwarzglänzenden Kerne bei der Herstellung von Knöpfen und Rosenkranzperlen Verwendung. Eine der Sapindaceae-Arten reiste sogar mit Kapitän Bligh auf der Bounty von Westafrika nach Westindien (1795), von wo an sie den Namen Blighia sapida trug.
Botanisches
Im Jahre 1753 taufte der Botaniker Carl von Linné die stark wuchernde, krautige Schlingpflanze auf den Namen Cardiospermum halicacabum L. Den Gattungsnamen "Cardiospermum", zu Deutsch "Herzsamen", gab Linné der Pflanze wegen ihrer pfefferkorngroßen, schwarzbraunen Samen, deren weiße Zeichnung an ein stilisiertes Herz erinnert. Die Bezeichnung "halicacabum" (griech. Salzfaß) erhielt sie wegen ihrer wie aufgeblasen wirkenden Früchte, nach denen sie im Deutschen auch "Ballonrebe" genannt wird.
Cardiospermum halicacabum L. gehört zur Familie der Sapindaceae (Seifenbaumgewächse; lat. sapo = Seife). Die saponinhaltigen Früchte, die im Wasser zu schäumen beginnen, werden in ihrer Heimat Südamerika, Afrika und Indien traditionell zum Waschen verwendet. Oft ist das Fruchtfleisch der beeren-, steinfrucht- oder kapselartigen Früchte eßbar; ein bekanntes Beispiel dafür ist die Litchipflaume, Litchi chinensis SONN.
Die Gattung Cardiospermum umfaßt 12 bis 14 Arten. Die Vielzahl von Synonymen, die im weitläufigen Verbreitungsraum für ein und dieselbe Art gebraucht werden, führte zu einer Überschätzung der Artenzahl. Für die Gewinnung der homöopathischen Urtinktur wird in Deutschland eine weißblühende Art verwendet, deren Identität durch den Anbau in eigenen Arzneipflanzenkulturen sichergestellt ist. Zur Verwendung kommen die frischen oberirdischen Teile der blühenden Pflanze.
Volksmedizin
Traditionell wird der Pflanze bei innerlicher Anwendung von den verschiedenen Völkern ihres Verbreitungsraumes eine heilende Wirkung bei Erkrankungen der Atemwege, Rheuma, Störungen von Verdauungstrakt und ableitenden Harnwegen sowie bei Menstruationsstörungen zugeschrieben. Äußerlich sollen die Blätter einen irritativen, hautrötenden Effekt besitzen.
Ekzematöse Dermatosen
In der Homöopathie wird die Ballonrebe äußerlich vor allen Dingen zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen eingesetzt. Entscheidend für die Therapie einer ekzematösen Dermatose ist die bestehende Ausprägung des typisch phasenhaften Verlaufs. Im akuten Schub ist die lokale Anwendung von Kortikoiden oft unumgänglich, doch gilt es, danach möglichst rasch zu einem ebenso wirkungsvollen, nichtsteroidalen Externum zu wechseln. Die Behandlung mit nichtsteroidalen Externa soll außer der Abheilung der ekzematösen Effloreszenzen auch eine wirksame Rezidivprophylaxe in der erscheinungsfreien Phase gewährleisten. Cardiospermum ist hier das Mittel der Wahl, um bei guter Wirksam- und Verträglichkeit eine Kortikoidbehandlung früh auszuschleichen oder sogar ganz zu ersetzen.
Inhaltsstoffe
Die natürlichen Wirkstoffe von Cardiospermum halicacabum L. entfalten eine antiinflammatorische und antipruriginöse Wirkung. In den oberirdischen, krautigen Teilen der Pflanze finden sich u. a. Saponine, Tannine, Spuren von Alkaloiden und Quebrachitol. Der Ölanteil der Samen liegt mit ca. 33 % relativ hoch und zeichnet sich vor allem durch den Gehalt an langkettigen Fettsäuren wie Lignoccerin-, Arachidin-, Öl- und Stearinsäure aus.
Außerdem finden sich in den krautigen Bestandteilen verschiedene Flavonoide, pentacyklische Triterpene und pflanzliche Sterine. Diese Bestandteile sind allerdings in so kleinen Mengen vorhanden, daß sie für die pharmakologische Wirkung vermutlich unbedeutend sind. Dem gegenüber wurde in der Urtinktur jedoch ein hoher Gehalt an Flavonoiden gemessen, wie er sonst nur bei den sogenannten Flavonoiddrogen zu finden ist. Die identifizierten Flavone und Flavonolglycoside spielen möglicherweise bei der antiekzematösen Wirkung von Cardiospermum-Externa eine Rolle.
Klinische Studien
Anfang der 70er Jahre wurde erstmals in Deutschland bei Patienten mit allergischen Hauterscheinungen Cardiospermum oral in den Potenzen D 2 bis D 4 eingesetzt. Es zeigte sich eine schnell einsetzende juckreizstillende und antiekzematöse Wirkung. Der antiallergische Effekt wurde in späteren homöopathischen Arzneimittelprüfungen mit den Potenzen D 6 und C 30 bestätigt. Auch in einer kontrollierten, doppelblinden klinischen Studie konnten Wirksamkeit und Verträglichkeit von Cardiospermum-Externa bewiesen werden. Hier zeigte das Homöopathikum sogar eine dem Wirkstoff Bufexamac gleichzusetzende Wirksamkeit. Die ausgezeichnete Hautverträglichkeit belegt noch einmal ein Patchtest, in dem auf der Haut gesunder Probanden jeweils für 16, 24 und 40 Stunden ein Cardiospermum-Pflaster belassen wurde. Nach der Entfernung zeigte keiner der Probanden einen Hinweis auf eine allergische oder toxische Reaktion. Aufgrund der guten Verträglichkeit bieten sich Cardiospermum-Präparate auch für die Behandlung von Kindern an.
Bei der Indikation Entzündungen der Haut mit Juckreiz wie z. B. Ekzeme und Neurodermitis haben sich die Cardiospermum-Präparate in der täglichen Praxis bewährt. Sie eignen sich sowohl für eine Mono- als auch für eine Tandemtherapie, beispielsweise mit Kortikosteroid-Präparaten oder Teezubereitungen.
