MADAUS und die Urologie
Von Dr. Karl-Peter Odenthal
Zu den Erkrankungen, um deren Behandlung man sich seit Alters her kümmerte, zählen die Erkrankungen des Uro-Genitalsystems, welche auch zu Veränderungen des Urins, als sichtbares Kennzeichen einer bestehenden Erkrankung, führen können. Deshalb stellt seit Menschengedenken die Begutachtung der Exkremente eine bedeutsame Diagnosemethode zur Beurteilung des Gesundheitszustandes dar. Das Spektrum reicht hierbei von Veränderungen der Harnmenge - vom Harnverhalt bis zur Harnflut -, von Farb- oder Geruchsveränderungen, die wiederum etwas mit der Konzentration harnpflichtiger Stoffe zu tun haben, bis hin zu Beimengungen von Blut oder Entzündungsprodukten.
Für diese „Harnschau“ hat sich der wissenschaftliche Begriff der Uroskopie eingebürgert, eine Vorgehensweise, die auch heute noch, selbstverständlich ergänzt um hochsensible analytische Nachweisverfahren, ihren Stammplatz im Diagnose-Repertoire hat. Was lag da näher, als sich empirisch mit der Frage zu befassen, ob Heilkräuter gesundheitsförderlich auf Urogenitalerkrankungen Einfluss nehmen? Für jedermann war es eine einfach nachvollziehbare Alltagserfahrung, dass Nahrungs- und Genussmittel, insbesondere aber auch Teezubereitungen aus Gewürzkräutern, einen sichtbaren Einfluss auf die Beschaffenheit des Harns ausüben.
Die Suche nach wirksamen Heilkräutern und daraus herzustellenden qualitativ hochwertigen Produkten führte auch die Gründer des Unternehmens MADAUS auf Behandlungsmöglichkeiten urologischer Erkrankungen. Unter dem Stichwort “Durchspülungstherapie“ bekannt, hat sich die Verwendung einiger Heilkräuter zur Einnahme als Tee, als Extrakt oder auch in angereicherter Form der wirksamen Inhaltsstoffe als Tablette oder Kapsel über Jahrzehnte des wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts erhalten. “Durchspülungstherapie“ stellt nach wie vor eine Basistherapie bei unkomplizierten entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege dar. Mit der Erhöhung der über die Nieren ausgeschiedenen Flüssigkeit und darin enthaltener pflanzlicher Wirkstoffe bietet sich die Möglichkeit, die Konzentration zur Kristallisation neigender Stoffe herabzusetzen. Deshalb wird auch heute noch zur Prophylaxe und Metaphylaxe bei der Steinerkrankung (Nieren- und Blasensteine) auf Arzneipflanzenzubereitungen zurückgegriffen.
Das Vorkommen von Steinerkrankungen in der Urologie ist altbekannt und hat in der Erkenntnis der unter bestimmten Stoffwechselbedingungen vorherrschenden Kristallisationsneigung ausgeschiedener Salzverbindungen eine einleuchtende Erklärung gefunden. Bei bestimmten Steinarten hat sich beispielsweise der Säure-Basen-Wert (pH-Wert) als von ursächlicher Bedeutung für die Konkrementbildung herausgestellt. Folgerichtig fand man in Salzverbindungen, die der ursächlichen Verschiebung des pH-Wertes entgegenwirken können, eine geeignete Behandlungsstrategie. Das von MADAUS hergestellte Produkt Uralyt-U führt zur Alkalisierung des Harns, die sich insbesondere bei Harnsäuresteinen und Calcium- und Phosphat-haltigen Mischsteinen bewährt hat. Die Alkalisierung des Harns wird vom Einnehmenden mit Hilfe von Papiermessstreifen kontrolliert. Trotz der technisch fortschrittlichen Möglichkeit der Steinzerkleinerung ohne operativen Eingriff (Lithotrypsie) besteht weiterhin ein Bedarf der Verhütung erneuter Steinbildung, die u.a. erblich bedingt ist.
Arzneipflanzen haben sich auch in der Behandlung einer unter Männern ab dem 40. Lebensjahr gehäuft auftretenden Vergrößerung der Prostata (Vorsteherdrüse) bewährt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Erkrankung als gutartige Prostata-vergrößerung beginnt und sich durch zunehmende Erschwernis beim Wasserlassen bemerkbar macht. Im vorgerückten Alter entwickelt sich daraus häufig auch Prostatakrebs, der eine spezifische, oftmals chirurgische Behandlung erfordert. Insbesondere in der Anfangsentwicklung und in den nicht Operations-bedürftigen Stadien hat sich der Wert der Behandlung mit Arzneipflanzenzubereitungen gegenüber dem bloßen Abwarten (watchful waiting) herausgestellt. Sowohl in der Besserung der Harnabflussstörungen als auch in der globalen Bewertung der Lebensqualität haben Arzneipflanzenzubereitungen ihren Stellenwert auch gegen synthetische Neuentwicklungen unterstrichen. Hier sind vor allem die Brennnesselwurzel (Urtica radix), Kürbissamen (Cucurbita peponis) und Sägepalmenfrüchte (Sabal serrulata) zu nennen.
MADAUS führt mit Urgenin-C.O. ein entsprechendes Kürbissamenölprodukt zur Behandlung von Harnabflussstörungen. Prosta-Urgenin von MADAUS ist das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung eines Sägepalmfrüchtepräparates zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung. Fortgeschrittene Stadien dieser Erkrankung benötigen oftmals Präparate mit einer größeren Wirkstärke zur Aufhebung der glattmuskulär-bedingten Kontraktion der Harnabflusswege. Hierzu steht mit Terazid ein Sympatholytikum als spezifischer Wirkstoff zur Verfügung, der an den sog. Alpharezeptoren der glatten Muskulatur zu einer spürbaren Verbesserung der Symptome der Harnabflussstörung führt.
Die Harnblase als Sammeleinrichtung des Urins verfügt über vielfältige Innervation und Steuerung, die beim Gesunden eine dem Willen unterworfene Entleerung gewährleistet. Entsprechend der Komplexität der beteiligten Regelmechanismen und Einflussnahmen sind vielfältige Störungsmöglichkeiten bekannt, die zur Inkontinenz führen. Auch diese Erkrankung ist mit zunehmendem Alter gehäuft anzutreffen. Angesichts der älter werdenden Bevölkerung hat Blaseninkontinenz deshalb an Bedeutung gewonnen, nicht zuletzt aufgrund der sozial-einschränkenden Komponente für die Betroffenen.
Ebenfalls auf einen Arzneipflanzenursprung geht eine besonders wichtige Anwendung eines MADAUS Produktes mit der Indikation Blaseninkontinenz zurück. Ausgangspunkt für die Entwicklung war die Beobachtung, dass nach Vergiftung mit Tollkirschenfrüchten Symptome einer Störung des vegetativen Nervensystems festgestellt wurden. Die Isolierung des Hauptalkaloidkörpers Atropin als Inhaltsstoff aus der Tollkirsche und aus verwandten Pflanzen der Familie der Solanaceen führte zur Identifizierung des zugrundeliegenden Wirkmechanismus: Nach Strukturaufklärung und Partialsynthese von Atropin und seiner weiteren Wirkungserforschung war es ein vergleichsweise kleiner Weg, um zu gezielt abgewandelten Molekülen zu kommen. Daraus ging der Wirkstoff Trospiumchlorid hervor, der in dem Produkt Spasmolyt Anwendung gefunden hat und sich als besonders geeignet zur Hemmung der Fehlsteuerung der Blaseninnervation erwies, die u.a. als Ursache einer Inkontinenz gilt.

