Oenanthe crocata – Wurzeln, die es in sich haben
Oenanthe crocata gilt als eine der giftigsten Pflanzen aus der Familie der Doldengewächse. Ihr Gebrauch erfordert daher größte Vorsicht.
Der Name Oenanthe crocata setzt sich aus dem griechischen oinos = Wein und anthos = Blüte zusammen; crocata = safrangelb, auf Grund des sich an der Luft gelbfärbenden Saftes. Man bezeichnet die Pflanze auch als "Giftige Rebendolde" und als "Safrandolde".
Botanisches
Die Rebendolde, Oenanthe crocata, gehört zur Familie der Doldengewächse, Apiaceae. Die Pflanze ist heimisch in Südwesteuropa und in Marokko . Sie wächst bevorzugt auf Wiesen, an Flußufern, in Sümpfen und an anderen feuchten Orten.
Die zweijährige, feuchtigkeitsliebende, sommergrüne Pflanze wird 60 bis 120 cm hoch. Der röhrige Stengel trägt 3fach fiederschnittige Blätter. Die Pflanze blüht von Juni bis August in großen weißen Doppeldolden. In der Heilkunde wird fast ausschließlich der frische Wurzelstock verwendet. Er ist kurz, dick, trägt 5 bis 6 fleischige, gelbliche Wurzeln und enthält einen weißen, gelbwerdenden Milchsaft von süßlichem Geschmack. Die Wurzeln haben die Form langgestreckter Rüben und zeigen längsriefige Furchen.
Toxizität
Weidevieh verendet nach dem Genuß des Krautes unter Krämpfen und Lähmungen. Die Wurzel der Rebendolde ist besonders giftig. Eine Berührung der frischen Wurzeln mit den Händen kann einen heftig juckenden Ausschlag verbunden mit einer Schwellung des Gesichtes, Fieber usw. zur Folge haben. Vergiftungen mit der Pflanze sind bei Kindern und Erwachsenen vor allem deshalb vorgekommen, weil die Wurzel mit Sellerie, Karotten oder anderen eßbaren Wurzeln verwechselt worden war.
Vergiftungen mit Oenanthe crocata können beim Menschen Erbrechen und Bewußtlosigkeit verursachen, denen Brennen im Mund, Aufstoßen, Schwindel, Schwäche, Kältegefühl, Unruhe, leichte Zuckungen oder Zittern in Muskeln und Gelenken, Sprachstörungen und mitunter auch Leibschmerzen vorangehen. In leichten Fällen entsteht lediglich ein fleckiger Ausschlag an Gesicht, Brust und Armen. Charakteristisch für Vergiftungen mit Oenanthe crocata soll die grünliche Gesichtsfarbe der Erkrankten sein.
Verantwortlich für die Toxizität ist das im Wurzelstock enthaltene giftige Polyin Oenanthotoxin. Die beiden ebenfalls darin vorkommenden Acetylenverbindungen Oenanthetol und Oenantheton sind weniger giftig. Im Spätherbst enthalten die Wurzeln fast ausschließlich Oenanthotoxin, im Frühjahr hauptsächlich Oenanthetol neben erheblich weniger Oenanthotoxin und Spuren von Oenantheton. Der Wurzelstock enthält außerdem Mannit, ätherische Öle und Pectinsäure.
Medizinische Anwendung
Matthiolus schreibt den Wurzeln hustenlindernde und steintreibende Kraft und Wirkung gegen Harnwinde und Enuresis zu. Bei Nagelgeschwüren wurden aus den Wurzeln zubereitete Breiumschläge angelegt. Schon Hahnemann machte im Apothekerlexikon auf die giftigen und krankmachenden Eigenschaften der Wurzel aufmerksam und glaubte, daß sie mit gehöriger Vorsicht angewandt, heilsam bei bestimmten Formen von Krämpfen, Schwinde und Delirien sei. Auch als Betäubungsmittel beim Fischfang wurde die Rebendolde verwendet.
Gemäß einer Prüfung an 100 Insassen in einer epileptischen Heilanstalt ist das Mittel bei älteren Fällen der kortikalen Epilepsie unwirksam. Es wird mit wechselnder Zuverlässigkeit gegeben, wenn die Epilepsie mit Tic convulsiv verbunden und von Somnolenz gefolgt ist und wenn oft Lähmung der Sprache eintritt, und vor allem bei dem Petit mal (Gerhard Madaus, Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Band 3, Thieme-Verlag 1938).
Verwendung in der Homöopathie
Nach dem HAB wird zur Herstellung der homöopathischen Urtinktur der frische Wurzelstock mit daranhängenden Wurzeln verwendet. Er wird zur Zeit der Blüte gesammelt. Das "Teep" wird aus denselben Teilen der Pflanze bereitet.
Die Bedeutung von Oenanthe crocata in der Homöopathie beruht vor allem auf dem der Epilepsie ähnlichen Zustand, der bei Vergiftungen hervorgerufen wird; äußerlich wurde sie gegen Krätze angewandt. Die Literatur nennt die Anwendung der Wurzeln bei Epilepsie, Delirien, Zuständen nach Meningitis und Apoplexie. Weitere Indikationen sind nach Gerhard Madaus: Lähmungserscheinungen, Schwindel, Urämie, Atembeschwerden und hartnäckige Hautleiden.
