Geregelte Verdauung
Wenigstens jeder dritte, vermutlich sogar jeder zweite Erwachsene leidet zeitweise oder dauernd unter Verstopfung (medizinischer Fachausdruck: Obstipation).
Während dieser Zustand für manche einfach nur lästig ist, äußert er sich bei anderen auf sehr unangenehme Art und Weise mit Bauchschmerzen, Völlegefühl und allgemeinem Unwohlsein. Das lässt sich ändern, und es ist gar nicht mal schwer. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie die Ursachen dieser Störung kennen und Ihre Lebensweise entsprechend umstellen. Darüber hinaus ist es gut zu wissen, dass es Arzneimittel gibt, die Ihnen den "sanften" Übergang zu einer gut funktionierenden Verdauung erleichtern können. Es gibt jedoch auch andere, die zwar eine "durchschlagende" Wirkung haben, aber auf längere Sicht Ihren Zustand eher noch verschlimmern können. Wir möchten Ihnen dabei helfen, zu einer gesunden Verdauung zurückzufinden und damit Ihr allgemeines Wohlbefinden wiederherzustellen.
Verdauung - was passiert da eigentlich?
Im Grunde beginnt der Verdauungsprozeß bereits im Mund, wo die Nahrung zerkleinert und mit Speichel vermischt wird. Mit dem Hinunterschlucken gerät die Nahrung durch die Speiseröhre in den Magen, wo sie vom Magensaft angedaut wird. Danach wird sie in den Dünndarm befördert, wo der wichtigste Teil der Verdauung stattfindet, da hier die Nährstoffe in das Blut abgegeben werden. Die unverdaulichen Reste wandern dann in den Dickdarm, der dieser Masse Wasser und Salze entzieht und sie dadurch eindickt. Nach ca. 15 Stunden bewegt sich der Darminhalt dann in den Mastdarm weiter, womit der Drang zum "Müssen" entsteht.
Für Verstopfung gibt es viele Ursachen
Die Verstopfung wird zu Recht als typische Zivilisationskrankheit bezeichnet, denn die Ursachen für diese Gesundheitsstörung sind vor allem in der Lebensweise des modernen Menschen zu suchen. Eine wichtige Rolle spielt zweifellos die mangelnde Bewegung. Viele verbringen den größten Teil ihres Lebens im Sitzen: im Auto, am Schreibtisch, vor dem Fernsehgerät usw. Diese unnatürliche Lebensweise führt dazu, daß auch der Darm träge wird. Weitere Auslöser für Verdauungsprobleme sind Stress und Hektik, die häufig dazu führen, daß der Stuhlgang unterdrückt wird. Auf diese Art und Weise gewöhnt sich der Darm an eine unregelmäßige Funktionsweise. Schlimmer noch: Durch verlängerte Verweildauer dickt der Darminhalt zu sehr ein; harter, fester und manchmal sogar schmerzhafter Stuhl ist die Folge.
Auch falsche Ernährung trägt wesentlich zur Entstehung einer Verstopfung bei. Die verfeinerte Kost, an die sich viele Menschen gewöhnt haben, enthält zwar reichlich Nähr-, dafür aber um so weniger Füllstoffe. Diese unverdaulichen Nahrungsbestandteile sind aber wichtig, da der Darm nur bei entsprechender Füllung zum Weitertransport des Nahrungsbreis angeregt wird.
Bei älteren Menschen ist häufig eine Schwäche der Bauchmuskulatur Ursache der Verstopfung. Es gibt noch einen weiteren Grund, warum ältere Menschen öfter betroffen sind: Geringere Flüssigkeitsaufnahme führt dazu, dass der Stuhl hart wird. Das führt zur verzögerten bzw. erschwerten Darmentleerung. Und leider ist es häufig so, dass gerade ältere Menschen zu wenig trinken.
Schließlich bringt auch eine Schwangerschaft in vielen Fällen Verdauungsstörungen mit sich. Hierfür sind viele unterschiedliche Faktoren, wie z.B. hormonelle Umstellung etc., verantwortlich.
Selbsthilfe: Das Richtige tun, das Falsche lassen
Da eine Verstopfung häufig mehrere Ursachen hat, ist es wenig erfolgversprechend, mit nur einer Maßnahme gegen das Leiden vorzugehen. Und es gibt eine Menge, was Sie tun können, um nicht nur Ihre Verdauungsstörung loszuwerden, und sich rundum wohler zu fühlen.
Scheinbar unsinnig: mehr essen
Mit "mehr" ist natürlich eines nicht gemeint: (noch) mehr hochkalorische Nährstoffe wie Zucker, Alkohol, Backwaren aus feinstgemahlenem Mehl usw. Vielmehr sollten Sie öfter mehr Nahrungsmittel, die Ballaststoffe enthalten zu sich nehmen. Das sind die unverdaulichen Nahrungsbestandteile, vor allem Pflanzenfasern. Sie sorgen für eine ausreichende Darmfüllung, die wiederum Grundvoraussetzung für einen regelmäßigen Stuhlgang ist. Sie sind aber auch Nahrungsgrundlage für die Darmbakterien, die für eine vollständige Nahrungsverwertung unerläßlich sind. Wie wichtig diese Ballaststoffe sind, hat die medizinische Forschung nachgewiesen. Sie wirken vorbeugend gegen viele Erkrankungen, wie z.B. Blinddarmentzündung, Darmpolypen, Gallensteinbildung und Darmkrebs. Zudem normalisieren sich bei reichlicher Zufuhr von Ballaststoffen die Fettaufnahme in das Blut, der Cholesterinspiegel und auch der Blutzuckergehalt. So kann ein langjähriger Mangel an diesen "unverwertbaren" Bestandteilen der Nahrung mittelbar zur Entstehung von Krankheiten wie Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder Herzkranzgefäßverengung (koronare Herzkrankheit) beitragen, die mit der Verdauung scheinbar nichts zu tun haben. Ballaststoffe sind vor allem in Obst, Kartoffeln und Gemüsen, Hülsenfrüchten und Vollkornbrot enthalten.
Mehr trinken - aber ohne Kalorien und Prozente!
Wenn es um vermehrte Flüssigkeitszufuhr geht, sind Mineralwasser, Tee und Kaffee die Getränke der Wahl. 1 1/2 Liter Flüssigkeit täglich sind mindestens erforderlich, damit der Darminhalt seine weiche Beschaffenheit erhält.
Bewegung macht auch der Verdauung Beine
Es gibt gezielte Techniken, mit denen man die Darmtätigkeit fördern kann: So hat sich die Bauchmassage oft als hilfreich erwiesen. Sie besteht darin, daß man im Liegen die Bauchdecke unterhalb des Bauchnabels etwa 5 Minuten lang abwechselnd von rechts unten nach rechts oben und von links oben nach links unten massiert. Auch das gezielte Training der Bauchmuskulatur durch gymnastische Übungen trägt zur besseren Verdauung bei. Zum anderen ist aber ganz allgemein ausreichende körperliche Bewegung wichtig. Man sollte jeden Tag mindestens 15 Minuten lang gehen oder laufen. Das bringt nicht nur die Darmtätigkeit "auf Trab".
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier
... und es gibt nützliche Gewohnheiten, die zur Wiederherstellung einer geregelten Verdauung beitragen - und die man sich mit wenig Mühe aneignen kann. Da ist z.B. das Glas Flüssigkeit - Wasser oder Saft -, das auf den Darm als Reiz zur Entleerung wirkt. Um einen solchen Reflex geht es auch, wenn man sich daran gewöhnt, grundsätzlich zu einer festen Zeit - am besten natürlich morgens - die Toilette aufzusuchen, auch wenn man nicht dringend "muß". Zusammen mit anderen Maßnahmen wird das regelmäßige Bemühen nach einiger Zeit erfolgreich sein. Das heißt natürlich nicht, daß Sie deshalb dem Stuhldrang nicht nachgeben sollten, wenn er zu einer anderen Tageszeit auftritt. Ganz regelmäßig wie ein Uhrwerk kann die Verdauung ohnehin nicht immer funktionieren, weil es hierbei auch auf die Art der Nahrung ankommt. So schwankt die Verdauungszeit von 1 - 2 Stunden bei leichten Speisen (z.B. Kochfisch) bis zu 9 Stunden (z.B. bei Hülsenfrüchten).
Tipps für das "Örtchen"
Was man versuchsweise sein lassen sollte, ist das Lesen und das Radiohören "dabei", da sich dies häufig als entleerungshemmend erwiesen hat. Bewährt hat es sich speziell bei Bauchmuskelschwäche, die Füße auf ein Fußbänkchen zu setzen. Das wirkt sich erstaunlich günstig auf die Darmentleerung aus.
Pro und contra Abführmittel
Die Einnahme von Abführmitteln ist - scheinbar - der bequemste Weg, Verdauungsprobleme zu lösen. Andererseits hört man immer wieder von dramatischen Darstellungen über die Gefährlichkeit abführender Arzneimittel. Die Wahrheit liegt - wie so oft - in der Mitte. Zuerst einmal gilt, dass man grundsätzlich überhaupt keine Arzneimittel regelmäßig und über lange Zeiträume einnehmen sollte, ohne den Arzt oder Apotheker um Rat zu fragen. Gerade bei Abführmitteln - vor allem bei drastisch wirkenden - drohen tatsächlich Gefahren. Eine besteht darin, dass der Darm sich an den starken Reiz "von außen" gewöhnt und von alleine praktisch überhaupt nicht mehr arbeitet. Eine andere ist der Verlust von Mineralstoffen, vor allem von Kalium. Wenn die Darmpassage künstlich stark beschleunigt wird, kann es zu einer verminderten Aufnahme dieses Minerals aus der Nahrung kommen. Da aber die Muskelfunktionen - auch die der Darmmuskulatur - von der Kaliumzufuhr abhängen, lähmt sich der Darm sozusagen selbst: die Verstopfung kann sich sogar verstärken. Vorsicht ist auch in der Schwangerschaft geboten, in der es besonders häufig zur Verstopfung kommt. Hier sollte vor der Einnahme von Arzneimitteln grundsätzlich der Rat des Arztes eingeholt werden. Empfehlenswert sind in vielen Fällen sanft wirkende Verdauungshilfen auf pflanzlicher Basis, die die Darmtätigkeit sinnvoll unterstützen.
