Yerba santa - Da verrauchen Husten und Bitterkeit
Ein Hustentherapeutikum, das geraucht wird, ein Sirup, der die Geschmacksnerven teilweise lähmt, ... Yerba santa, auch Herba santa genannt, ist wahrlich eine bemerkenswerte Arzneipflanze, die vor allen Dingen in Mexiko und Kalifornien über eine lange Tradition verfügt.
Auf das hohe Ansehen der Pflanze als Arzneimittel weist bereits der Name Yerba santa, "heiliges Kraut” hin. Die griechische Bezeichung Eriodictyon glutinosum stammt dagegen ganz profan von "erion” = Wolle und von "diktyon” = Fangnetz, wegen der dicht verfilzten Haare auf der Blattunterseite. "Glutinosus” = klebrig wird die Pflanze wegen der durch harzige Ausscheidungen klebrigen Blattoberseite genannt. Auf die kalifornische Heimat der Pflanze bezieht sich die Bezeichnung Eriodictyon californicum.
Geschichtliches
Yerba santa ist in Mexiko und Kalifornien schon lange ein beliebtes Hustenmittel. Die Blätter werden dort bei Bronchialkatarrh und Asthma wie Tabak geraucht. Die Droge ist heute vor allen Dingen in den Vereinigten Staaten gebräuchlich. Hier wird sie auch als Hausmittel gegen Erkältungen verwendet. Dazu stellt man aus frischen oder getrockneten Blättern einen Tee her, der 10 Minuten ziehen muß.
Botanisches
Yerba santa gehört zur Familie der Hydrophyllaceae. Der 100 bis 150 cm hohe immergrüne Strauch wächst vor allem auf den trockenen Hügeln Kaliforniens und in Nordmexiko. Er hat spitze, unregelmäßig gezahnte, lederartige Blätter, die an der Oberseite glatt und – wie oben erwähnt– durch harzige Ausscheidungen klebrig sind. Die Blattunterseite ist sehr stark behaart. Die violetten, trichterförmigen Blüten stehen in den Blattachseln oder am Achsenende in Wickeln. Die Früchte des Strauches sind zweifächrige Kapseln. Für die Arzneimittelzubereitung werden die Blätter des Strauches verwendet, die man hierzu häufig mit dünnen Stengelteilchen vermischt. In den Blättern sind ätherische Öle, reichlich Harzsubstanzen, Oxychalkone, Flavonderivate, Fett, Paraffine und Phytosterin enthalten. Die Droge riecht angenehm balsamisch, was sich durch Reiben noch verstärkt, und hat einen aromatischem, etwas süßlichem, nicht bitterem Geschmack.
Wirkung
In ihrer Heimat wird Yerba santa, wie früher auch in Europa, gegen Bronchitis und Asthma, als Diuretikum und Antigonorrhoikum benutzt. Die Pflanze gilt als sehr wirksam bei Husten. Sie hat die Eigenschaft, Geschmacksempfindungen für bittere Stoffe für einige Zeit teilweise aufzuheben. Bittere Stoffe wie z. B. Chinin, Aloe und Hydrastis verlieren also ihren unangenehmen Geschmack, wenn man einen Sirup aus Eriodictyon zusetzt. Chinin z. B. soll bei der Verwendung von Yerba santa wie Stärkemehl schmecken. Ein in den Blättern enthaltenes Resinoid ist Träger dieser den Geschmack für bittere Substanzen aufhebenden Eigenschaft. Die Herabsetzung der Empfindlichkeit gilt in begrenztem Maße auch für die Bronchialschleimhäute. Man nimmt an, daß dadurch die Empfänglichkeit für bestimmte Asthmaallergene herabgesetzt wird.
Yerba santa wirkt expektorierend und wird (wegen seiner Beeinflussung der Empfindlichkeitsnerven) vorzugsweise bei Verschleimung der Bronchien und allergischem Asthma angewandt. Auch bei Schnupfen und postgrippalem Hustem hat sich die Heilpflanze bewährt. Typische Indikationen und Symptome, die auf die Therapie mit Yerba santa besonders gut ansprechen, sind Asthma mit Schnupfen und schleimigen Absonderungen, dumpfer Schmerz in der rechten Lunge, Brennen im Rachen und chronische Bronchitis. Nach Gerhard Madaus leistet das Mittel auch bei Entzündungen der Harn- und Genitalorgane gute Dienste (Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Thieme Verlag, Leipzig 1938, S. 1290).
Auch in der Homöopathie wird Yerba santa hauptsächlich bei Bronchialkatarrhen, bei Husten, der nach einer Grippe zurückgeblieben ist, und bei Asthma verwendet.
