Die Mistel - Vom Mythos zur Wissenschaft

Zehn Fragen

1. Welche ist die pharmakologisch wirksame Komponente der Mistel?

Die für die Krebstherapie wirksamen Substanzen der Mistel sind vor allem eine Gruppe von Lektinen, ML-1, ML-2 und ML-3. Die Aktivität der körpereigenen Killerzellen wird erhöht und die Anzahl aktivierter Lymphozyten gesteigert. Diese Zellen spielen in der Krebsabwehr eine große Rolle.

2. Wann sollte eine Therapie mit dem Hauptwirkstoff aus der Mistel bei Krebserkrankungen begonnen werden?

Eine Therapie mit dem Hauptwirkstoff aus der Mistel sollte möglichst sofort nach Diagnosestellung begonnen werden, da die immunstärkende und immunmodulierende Wirkung die körpereigenen Abwehrkräfte gegen den Tumor aktiviert und Tumorbeschwerden mildert. Die negative Beeinflussung des Immunsystems durch körperlichen und seelischen Streß vor einer Operation kann durch die Gabe von Mistelwirkstoff verringert werden. Nach der Operation kann eine Streuung möglicherweise noch vorhandener Krebszellen durch die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte verhindert werden.

3. Kann der Einsatz eines auf Lektine normierten Mistelpräparates Operation, Chemo- oder Strahlentherapie ersetzen?

Nein, auf Lektine normierte Mistelpräparate werden zur unterstützenden Immuntherapie verabreicht. Neueste Forschungsergebnisse zeigen in Laboruntersuchungen, daß der Hauptwirkstoff aus der Mistel auch direkt Krebszellen abtöten oder eliminieren kann (Apoptose). Inwieweit diese Wirkung schon bei einer optimal immunmodulatorischen Dosis zum Tragen kommt, wird derzeit erforscht.

4. Welche Wirkung hat die Therapie mit dem Hauptwirkstoff aus der Mistel?

Die Therapie mit dem Hauptwirkstoff aus der Mistel vermindert den körperlichen und seelischen Streß vor operativen Eingriffen. Nach der Operation ist sie entweder die einzige Therapie oder sie wird ergänzend zu einer Strahlen- oder Chemotherapie eingesetzt, um die dadurch auftretende Schwächung des Immunsystems zu mildern. Sie vermindert die auftretenden Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Abnahme der Leukozyten.

Ein auf Lektine normiertes Mistelpräparat kann auch bei Krebskranken im fortgeschrittenen Stadium eingesetzt werden, da es die Produktion der körpereigenen Endorphine ("Glückshormone") steigert und damit die Tumorschmerzen lindert. Die Lebensqualität des Kranken wird verbessert, das Allgemeinbefinden positiv beeinflußt.

5. Wie wird die Therapie mit dem Wirkstoff aus der Mistel durchgeführt?

Das Präparat wird unter die Haut (subkutan) injiziert und zwar mindestens drei Monate lang, zwei mal wöchentlich. Nach einer einmonatigen Therapiepause kann die Behandlung wieder aufgenommen werden. Aufgrund der Abläufe im Körper ist der beste Zeitpunkt für die Injektion vormittags vor zehn Uhr, wobei diese durch den Arzt, aber auch durch den Patienten selbst oder durch eine Person des Vertrauens, die vom Arzt unterwiesen wurde, vorgenommen werden kann.

6. Ist bei einer Therapie mit einem der Hauptwirkstoffe aus der Mistel mit Nebenwirkungen zu rechnen?

Präparate mit einem der Hauptwirkstoffe aus der Mistel werden im allgemeinen gut vertragen. In seltenen Fällen können Nebenwirkungen auftreten wie Kreislaufbeschwerden (Schwindelgefühl beim Aufstehen, Senkung des Blutdrucks), Kopfschmerzen, Atembeschwerden, allergische Reaktionen (Allergietest vor der Therapie), Hautrötungen. Aufgrund der Stimulierung des Immunsystems kann es zu Schüttelfrost und hohem Fieber kurz nach der Injektion kommen.

7. Wie hoch soll ein auf Lektine normiertes Mistelpräparat dosiert werden?

Die Dosierung kann nach neuesten Studienergebnissen einheitlich und damit einfach in der Anwendung vorgenommen werden. Eine Dosisfindung am Patienten ist nicht erforderlich. Früher war es wegen der Stoffeigenschaften von Mistelpräparaten schwierig, eine konstante Wirkstoffmenge in den Ampullen zu erhalten. Mittlerweile ist es gelungen, ein Präparat zu entwickeln, das immer die gleiche Wirkstoffaktivität besitzt.

8. Wie lange kann eine Therapie mit dem Hauptwirkstoff aus der Mistel durchgeführt werden?

Eine Therapie mit dem Hauptwirkstoff der Mistel ist in aller Regel eine Dauertherapie, die bei guter Verträglichkeit über einen langen Zeitraum durchgeführt werden kann. Ist nach fünf Jahren kein neuer Tumor aufgetreten, kann die Therapie abgesetzt werden. Ebenso, wenn der behandelnde Arzt eine deutliche Verbesserung des Allgemeinbefindens oder einen Rückgang der Infektanfälligkeit feststellt.

9. Wie äußert sich die gewünschte Wirkung?

Anfangs kann bei der Therapie mit einem Mistelwirkstoff eine leicht erhöhte Körpertemperatur auftreten, die jedoch 0,5 - 1° C nicht überschreitet und auf ein Anschlagen der Behandlung hinweist. Ferner bessern sich das Allgemeinbefinden und die seelische Verfassung. Der Patient nimmt auch an Körpergewicht zu.

10. Wann sollte ein auf Lektine normiertes Mistelpräparat nicht gegeben werden?

Ein auf Lektine normiertes Mistelpräparat ist bei Krebserkrankungen mit soliden Tumoren indiziert. Bei malignen Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems (Leukämie, Morbus Hodgkin) sollte eine Anwendung nur nach ärztlicher Empfehlung und unter engmaschiger Kontrolle erfolgen. Gegenanzeigen für auf Lektine normiertes Mistelpräparat sind: Überempfindlichkeiten gegen Eiweiße oder Wirkstoffextrakte aus der Mistel sowie chronisch-fortschreitende Infektionen wie Tuberkulose. Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte ein Mistelwirkstoff nicht angewandt werden, sowie bei Kindern unter zwölf Jahren.