Diagnose: Krebs
Krebs: Entstehung, Ausbreitung, Ursachen und Diagnose
Krebs - das ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für eine Reihe bösartiger Zellwucherungen, die jedes Gewebe und Organ im Körper befallen können: Krebs entsteht an Verdauungsorganen (z.B. Magenkrebs, Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs) ebenso wie an den Atemwegen (Lungenkrebs), an den Harn- und Geschlechtswegen (Gebärmutterkrebs, Prostatakrebs), an der Brustdrüse, an der Haut und an den lymphatischen und blutführenden Geweben (Lymphdrüsenkrebs, Leukämie). Die Angst der Menschen vor dieser Krankheit scheint berechtigt, denn allein in Deutschland gibt es nach epidemlologischen Schätzungen circa acht Millionen Krebsbetroffene. Von den mehr als 300.000 neu diagnostizierten Krebsfällen pro Jahr können 200.000 nicht geheilt werden. Im Alter von 45 bis 65 Jahren ist Krebs sogar die häufigste Todesursache.
Einzelne Krebsgeschwülste (Tumoren) haben unterschiedliche Merkmale und lassen sich je nach Entstehungsort und Struktur einteilen. Sarkome zum Beispiel sind bösartige Erkrankungen des Binde-, Nerven- oder Knochengewebes, Karzinome sind bösartige Geschwülste der Haut und des Epithelgewebes, Myelome bösartige Wucherungen von Plasmazellen, Blastome sind im Lymphsystem lokalisiert und befallen hauptsächlich die Lymphdrüsen (z.B. Morbus Hodgkin). Leukämie fällt bei dieser Einteilung aus dem Rahmen, da hier keine soliden Geschwülste entstehen, sondern einzelne Zellen betroffen sind. Die Produktion der weißen Blutkörperchen ist dahingehend gestört, dass sich anomal gestaltete, nicht ausgereifte Stadien dieser Zellen krankhaft vermehren.
Wie entsteht ein Tumor?
Ein Tumor entsteht, wenn eine Körperzelle entartet und sich unkontrolliert zu einer Geschwulst vermehrt. Im Regelfall unterliegt jede Zelle des Körpers bei ihrer Vermehrung strengen Gesetzmäßigkeiten. Benachbarte Zellen bilden einen Zellverband, dessen einzelne Mitglieder in engem Informationsaustausch stehen und ihre Tätigkeiten wie die Teilung aufeinander abstimmen. Ganz anders die Krebszellen. Schon früh entziehen sie sich der gegenseitigen Regulation und folgen einem eigenen Vermehrungsprogramm. Mittlerweile ist erforscht, worauf dieses Abweichen von der Norm beruht: Veränderungen am Erbgut dieser Zellen (Mutationen), wovon insbesondere Gene betroffen sind, die für die Wachstumskontrolle verantwortlich zeichnen, lösen das abnorme Verhalten aus. In der Folge teilt sich die Zelle mit dem Gendefekt, obwohl sie es laut Zellverband eigentlich nicht sollte. Ihre Tochterzellen verhalten sich ebenso, und auf diese Weise entsteht in einem normalen Zellverband eine Wucherung. Die muß allerdings nicht bösartig (maligne) sein. Oft bleiben solche Primärtumoren klein und lokal begrenzt. Erst, wenn es den Tumorzellen gelingt, die Bildung versorgender Blutgefäße anzuregen, die den Tumor mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen, kann er sich zu einer großen Geschwulst entwickeln.
So breitet Krebs sich aus
Solange die Tumorzellen an ihrem Platz bleiben, ist die Gefahr, die von der Geschwulst ausgeht, relativ gering und überschaubar. Erst die Bildung von Tochtergeschwulsten (Metastasen), die sich weit entfernt vom Ursprungsort der ersten Geschwulst ansiedeln können, macht aus Krebs die gefährliche, schwer zu behandelnde, oft tödlich endende Krankheit. Die Metastasen entstehen, wenn der Tumor streut, das bedeutet, wenn der Tumor in umgebendes Gewebe eindringt (invasiv wird), einzelne Tumorzellen sich ablösen und über den Blutkreislauf in andere Körperregionen gelangen. Dieses Streuen gelingt nur einigen wenigen Tumorzellen, denn die einzelne Zelle muss zahlreiche Hürden überwinden, bevor sie ans Ziel gelangt.
Die meisten Primärtumoren entstehen im Epithelgewebe, das ist die Zellschicht, die äußere und innere Körperflächen und alle inneren Organe überzieht. Bevor ein Tumor metastasiert, muss er zuerst die Basalmembran, eine feste Bindegewebsschicht, auf der die Epithelzellen angeordnet sind, durchbrechen und eine Blut- oder Lymphbahn erreichen. Hat der Primärtumor eine Verbindung zum Blut- oder Lymphsystem, können sich einzelne Zellen aus ihm lösen und im Blut- oder Lymphstrom weitergeschwemmt werden. Gelingt es den ausgeschwemmten Krebszellen, sich an anderer Stelle im Körper anzuheften, kann dort eine Metastase entstehen. Gehäuft bilden sich Metastasen dort aus, wo Blut- oder Lymphstrom besonders langsam fließen oder die Gefäße besonders eng sind, beispielsweise in den Kapillaren und Lymphknoten.
Die meisten Krebsarten haben bevorzugte Orte, an denen sie metastasieren. Dabei scheint die Richtung des Blutstromes maßgebend für den Ort der Ansiedlung zu sein. So ist die Lunge besonders häufig betroffen, weil hier das erste Kapillargeflecht ist, das das Blut von vielen Organen kommend erreicht. Vom Dickdarm aus zum Beispiel geht der Blutstrom zuerst zur Leber, wo sich auch bevorzugt Metastasen des Dickdarmkrebses ansiedeln.
Das Immunsystem erkennt Abweichler
Es gehört zur Aufgabe des Immunsystems, Eindringlinge und Fremdstoffe im Körper aufzuspüren und zu vernichten. Auf diesem Weg vermag das körpereigene Abwehrsystem auch genveränderte Zellen zu erkennen und auszumerzen, bevor sie sich vermehren. Bei einem Teil dieser Zellen jedoch versagt das Abwehrsystem. Sie bleiben unerkannt und es entstehen Tumoren. Über den Weg, das Immunsystem zu stärken und zu mobilisieren, erhoffen Wissenschaftler sich daher für die Zukunft gute Behandlungserfolge gegen den Krebs.
Wodurch entsteht Krebs?
Es gibt eine Fülle von Erkenntnissen über die Entstehungsursachen von Krebs. Zur Zeit sind etwa 600 krebsauslösende Stoffe aus der Umwelt des Menschen bekannt. Man geht davon aus, daß etwa 50 Prozent der Krebserkrankungen des Menschen beruflich bedingt sind. Krebserregende Stoffe kommen aber auch in der Nahrung, in Medikamenten oder in Zigarettenrauch vor. Vielfach wird die Umwelt für die Entstehung von Krebs verantwortlich gemacht: Pestizide, Luftschadstoffe, elektrische Felder. Eine maßgebliche Rolle spielt bei den meisten Krebsfällen die persönliche Lebensweise. Rauchen und ungesunde Ernährung sind dabei die hauptsächlichen Risikofaktoren.
Wenn einige Krebsarten laut Statistik zunehmen, so sind diese Zahlen zum Teil auch auf verbesserte Diagnosemöglichkeiten zurückzuführen. Das trifft insbesondere für Prostata- und Brustkrebs zu. Vor zehn Jahren blieben die meisten Prostatakrebsfälle unentdeckt, während sie heute aufgrund eines Bluttests schon in einem frühen Stadium erkannt werden. Die zunehmende Inzidenz von Brustkrebs wird auf eine größere öffentliche Aufmerksamkeit und auf eine frühere und damit häufigere Diagnose mit Hilfe der Mammographie erklärt.
Diagnose
Das Angebot der Krebsvorsorge nehmen mittlerweile zahlreiche Menschen wahr. Allerdings könnte die Zahl der erfolgreich behandelten Tumoren größer sein, wenn noch mehr Menschen darauf zurückgreifen würden. Denn die Chance auf Heilung ist bei früh diagnostizierten Krebserkrankungen besonders groß.
Anzeichen für Krebs können sein:
- Jede nicht heilende Wunde
- Veränderungen an einem Muttermal oder einer Warze
- Knoten oder Verdickungen, die an der Körperoberfläche fühlbar sind (besonders im Brustbereich)
- Auffällige Lymphknotenschwellungen unter der Achsel, an der Leiste, am Hals
- Unerklärlicher Gewichtsverlust, Appetitmangel, blasse Haut
- Anhaltende Magen-, Darm- oder Schluckbeschwerden
- Auffällige Absonderungen aus Körperöffnungen
- Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin, Störungen bei der Harnentleerung
- Unregelmäßige Monatsblutungen
Bei solchen Anzeichen sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Ein frühzeitiger Arztbesuch erhöht die Chance, dass die Krankheit schon im Anfangsstadium entdeckt und geheilt werden kann.
